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Über die IGT

Profil und Selbstverständnis

Unsere Gesellschaft wurde im Jahre 1949 als eingetragener Verein gegründet und ist als gemeinnützig anerkannt. Wir widmen uns der wissenschaftlichen Erforschung der seelischen Kräfte des Menschen und deren Zusammenspiel in der Gesellschaft. Wir fördern den interdisziplinären Austausch und Diskurs, insbesondere mit unserer alljährlichen Lindauer Herbsttagung, einer fünftägigen Fort- und Weiterbildungstagung zu einem Leitthema aus dem breiten Spektrum der Tiefenpsychologie.

Die Tiefenpsychologie als Orientierung in der igt

Bewusstsein kann nur existieren bei stetiger Anerkennung und Berücksichtigung des Unbewussten…

- C.G. Jung, Gesammelte Werke 9/I

Die Tiefenpsychologie umfasst die psychodynamischen Verfahren, damit sind die Psychoanalyse Sigmund Freuds, die Analytische Psychologie C.G. Jungs und die Individualpsychologie Alfred Adlers gemeint. Es geht um das psychodynamische Verständnis von Persönlichkeitsentwicklung mit der Einbeziehung von belastenden und traumatisierenden Bedingungen der frühen Lebensgeschichte, in deren Folge neurotische Grundkonflikte, strukturelle Verletzlichkeit und verschiedene Abwehr- und Bewältigungsmuster entstanden sind. In der Tiefenpsychologie werden, ausgehend von aktuellen Grundkonflikten, die biografischen Eckpunkte, die resilienten Faktoren und die Ressourcen von Menschen berücksichtigt. Der Sinn des tiefenpsychologischen Verständnisses ist, dass ein neues Gleichgewicht zwischen Selbstwirksamkeit und Beziehungsgestaltung entstehen kann. Es können neue Formen der Affektregulierung, Empathiefähigkeit, Kommunikationsmöglichkeit, flexiblere Abwehr- und Bewältigungsmuster entstehen.

Die Ausbildungsinstitute sind diesem Grundverständnis verpflichtet. Auch die igt ist diesem Selbstverständnis verpflichtet. Die Vorträge in den alljährlichen Tagungen sind dem breiten Spektrum von Individuum und Gesellschaft gewidmet.

Aus der Tiefenpsychologie haben viele andere Verfahren wertvolle Anregungen bekommen und sich weiter entwickelt, wie z.B. die Gestalttherapie, das Psychodrama, Bioenergetik, systemische Therapie, Hypnotherapie und andere therapeutische Methoden. Einige dieser Verfahren werden im Rahmen der jährlichen Herbsttagung in den Workshops angeboten und geben den Teilnehmenden Raum zur persönlichen Vertiefung oder Selbsterfahrung. Auch neue hilfreiche Formen der Therapie, wie die Traumatherapie oder die Achtsamkeitsbasierte Therapie werden in die tiefenpsychologischen Behandlungsformen aufgenommen und integriert.

Zur Geschichte der igt

Die Geschichte der igt ist von der Frage geprägt, wie seelische Erkenntnis gesellschaftliche Verantwortung und neue Formen des Miteinanders ermöglichen kann.

Die Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie, kurz igt genannt, wurde 1949 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs gegründet. Ausgangspunkt waren die Sorge um die Gesellschaft und die Fragen: was geschieht im Unbewussten von Menschen, wie kann seelische Gesundheit im Individuum und in der Gesellschaft gefördert werden, um menschliche Katastrophen wie die der zwei Weltkriege und die des Holocaust zu verhindern? Das ursprüngliche Anliegen bestand darin, aus Verantwortung und Sorge um die Seele neue Werte und eine neue Ethik in das ärztliche und psychotherapeutische Handeln aufzunehmen. Deshalb wurde die Gesellschaft „Arzt und Seelsorger" gegründet, aus der später die igt entstand. Die Verbindung zur Religiosität, die Sinnfindung im menschlichen Sein, das Bewusstmachen unbewusster Inhalte der Seele waren und sind die Wurzeln der igt. Dies sind auch die zentralen Themen bei den jährlichen Tagungen.

Die drei Begründer der Gesellschaft, Prof. Dr. Wilhelm Bitter (1893-1974), Pfarrer Rudolf Daur (1892-1976) und Stadtpfarrer Hermann Breucha (1902-1972), waren der Tiefenpsychologie und Seelsorge verbunden. Sie hatten das Anliegen, Verbindungen zu schaffen, sich auf humanistische Werte zu besinnen und diese im Austausch mit anderen Berufsgruppen zu fördern. Das sind die Wurzeln der igt, das ist bis heute unser primäres Anliegen und wird es auch in Zukunft bleiben.

Ethikerklärung

Ändere die Welt, sie braucht es.

- Bertolt Brecht

Die Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie e.V. – Erweiterte Gemeinschaft Arzt und Seelsorger – (igt) wurde 1949 gegründet. Die Gräuel der Naziherrschaft, die sich schon vor 1933 ankündigten und im 2. Weltkrieg einen schrecklichen Höhepunkt erreichten, die Vernichtung, Vertreibung und Ächtung von Menschen hatten menschliche Grundwerte in einem nie für möglich gehaltenen Ausmaß hinweggefegt. Die drei Begründer der igt, Prof. Dr. Wilhelm Bitter (1893-1974), Pfarrer Rudolf Daur (1892-1976) und Stadtpfarrer Hermann Breucha (1902-1972), waren der Tiefenpsychologie und Seelsorge verbunden. Sie hatten das Anliegen, Verbindungen zu schaffen, sich auf humanistische Werte zu besinnen und diese im Austausch mit anderen Berufsgruppen zu fördern. Das sind die Wurzeln der igt, das ist bis heute unser primäres Anliegen und wird es auch in Zukunft bleiben.

Die Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen, die wir angesichts der zunehmenden Verrohung in unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation dringender denn je brauchen, ist unabdingbare Voraussetzung unseres menschlichen und beruflichen Handelns.

In Anbetracht der Bedrohung, Gewalt und Diskriminierung im gesellschaftlichen Umgang miteinander treten wir ein für Respekt, Toleranz, Solidarität, Vielfalt, Gewaltfreiheit und Mitgefühl.

Hingegen nehmen wir Fundamentalismus, Entsolidarisierung, Spaltung, Rassismus, Antisemitismus und nationalistisches Gedankengut mit großer Sorge wahr und lehnen diese ab. Sie beschädigen unsere Kultur, den Zusammenhalt in der Gesellschaft und damit auch unser aller Wohlergehen und unsere seelische Gesundheit. Sie behindern zudem die Freiheit im Dialog und in der Gemeinschaft, die wir in der igt fördern und unterstützen. Wir unterstreichen unsere globale Verantwortung für Menschen, Tiere, Pflanzen und Mitwelt.

Diese humanistische Ethik war und ist die Grundlage der igt und wird es auch in Zukunft sein.